Über den Dächern von Aachen
Anfang Mai 2025 besuchte eine Gruppe von Mitgliedern des VDE Aachen den Aachener Dom – und zwar im Rahmen einer ganz besonderen Dachstuhlführung.
Am Bronzemodell des Doms vor dem Portal begrüßte uns unser Führer, Dr. Karl-Heinz Schumacher, und gab zunächst eine Einführung in die Bau- und Architekturgeschichte des Doms. Danach führte er uns in das Innere der Kirche und über schmale Wendeltreppen hinauf in die oberen Bereiche. Die ungewöhnlich flachen Stufen in den Treppentürmen dienten einst dem Transport von Baumaterial.
Während der Innenraum des Doms jederzeit zugänglich ist und die oberen Etagen – einschließlich Karlsthron und Galerie zwischen Oktogon und Chorhalle – gelegentlich für Besucher geöffnet werden, gewährte uns diese exklusive Führung Einblick in Bereiche, die nur wenige je zu Gesicht bekommen: den Dachstuhl über dem Oktogon und der Chorhalle. Sogar der Austritt auf den Sims der Chorhalle war erlaubt, von dem aus man das Dach umrunden konnte.
Zunächst jedoch ging es in die Turmgalerie hoch über dem Münsterplatz. Von den seitlichen Kapellen aus eröffneten sich bereits eindrucksvolle Ausblicke über Aachen. Hier wird traditionell der Beginn der alle sieben Jahre stattfindenden Heiligtumsfahrt angezeigt, indem die Schmucktücher ausgehängt werden. Früher wurden sogar die Heiligtümer selbst von hier aus den Pilgern gezeigt. Dabei soll eines vor Jahrhunderten in die Menge gefallen sein und in winzige Andenkenstücke zerrissen worden sein – und so für immer verloren gegangen sein.
Von der Galerie führte uns der Weg über die kleine, weithin sichtbare Brücke in den Dachstuhl des Oktogons, direkt über der stabilen Kuppel, die man aus dem Innenraum bewundern kann. Dieser Dachstuhl hat eine bewegte Geschichte: Er entstand nach dem Stadtbrand von 1656 und gehört damit in seinen ältesten Teilen ins 17. Jahrhundert. Die Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs überstand er weitgehend unbeschadet. Allerdings musste er im Laufe der Zeit wegen statischer Probleme mehrfach verstärkt werden – insbesondere, weil die starke Westwindlast zu Verdrehungen führte. Heute präsentiert er sich als faszinierendes Geflecht aus hölzernen Balken und metallischen Trägern. Besonders beeindruckend ist die von Prof. Pirlet in den 1920er-Jahren entwickelte Eisenverankerung. Manche Verstärkungen aus dem 20. Jahrhundert enthalten Asbest, was jede bauliche Änderung erschwert. Insgesamt halten zahlreiche Metallanker die Konstruktion und die darunterliegenden Bauteile zuverlässig zusammen. Über dem Oktogon konnten wir zudem die massive Aufhängung des berühmten Barbarossaleuchters aus dem 12. Jahrhundert betrachten, die es erlaubt, den Leuchter bei Bedarf abzusenken.
Durch eine Tür gelangten wir schließlich in den Dachstuhl der gotischen Chorhalle, der ebenfalls 1656 neu errichtet wurde. Hier beeindruckten besonders die eingebauten Eisenbeton-Balken, die als Queranker von Mauer zu Mauer verlaufen und der Stabilität dienen.
Den Höhepunkt bildete der Rundgang entlang der Außengalerie der Chorhalle: Bei strahlendem Sonnenschein bot sich uns ein unvergleichlicher Blick über die Dächer der Stadt, auf das Aachener Rathaus und den Katschhof. Dieser Höhepunkt über den Dächern von Aachen war gleichzeitig der Abschluss unserer ganz besonderen Besichtigung, die in Erinnerung bleiben wird. Bei einem Essen in einem Restaurant in Domnähe kamen die Teilnehmer anschließend ins Gespräch. Auch in Zukunft bieten wir für unsere Mitglieder interessante Exkursionen an. Falls Sie noch nicht dabei waren, melden Sie sich doch beim nächsten Mal an.
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